Theodor Hetzer Lesen

Biographische Notiz / Würdigungen

Schriften Band 1-9

Theodor
Hetzer



Biographische Notiz
Würdigungen

Theodor Hetzer wurde 1890 als Sohn deutscher Eltern in Charkow geboren und verlebte dort seine Kindheit. Nach Jugendjahren in Freiburg studierte er Kunstgeschichte, Archäologie und Philosophie in Berlin, von wo ihn sein Lehrer Friedrich Rintelen mit nach Basel zog. Seine Lehrtätigkeit begann er in Leipzig, deren Universität er fast ein Vierteljahrhundert angehörte, seit 1935 als Ordinarius, allerdings abseits stehend in der Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft und unbeteiligt an der Universitätspolitik. In Überlingen am Bodensee, wo er sich ein zweites Arbeitsdomizil geschaffen hatte, verstarb er am 27. Dezember 1946 an einem Herzleiden.
Hetzer begann seine Arbeit im Bereich der italienischen Kunst. Giotto und die Geschichte des europäischen Bildes wurde sein Hauptthema, ein zweiter Schwerpunkt war die venezianische Malerei bis hin zu Tizian. Raffael als dem Inbegriff des Italienischen gelten wichtige Arbeiten. Dürer, Rubens und Rembrandt beschäftigen Hetzer als große schöpferische Meister des europäischen Bildes. Die Probleme der antiken Kunst, ohne die die europäische Entwicklung nicht zu denken ist, sind überall in Hetzers Gedanken mit gegenwärtig. Entscheidend wichtig ist ihm der Übergang zum 19. Jahrhundert - Goya - und das Werk Cézannes, an dem Grundfragen des Künstlerischen entfaltet werden. Nach zahlreichen Einzelveröffentlichungen erschien ab 1981 die neunbändige Werkausgabe, herausgegeben von Gertrude Berthold, Hetzers Schülerin und letzter Assistentin in Leipzig.

»Die Bände umschließen eine geistige und sinnliche Weite, die in der Kunstgeschichte ihresgleichen sucht. Dennoch geht es um mehr als eine Retrospektive. Hetzer hat, zumindest mit einigen Pointen seiner Konzeption, auch aktuelle und zukünftige Bedeutung. Die überlegene methodische Maxime, Bild und Werk als komplexe Einheit zu würdigen und zugleich ihre Geschichte zu schreiben, ist ein nicht zu unterschätzendes Modell gegen die Blindheit gängigen Spezialistentums.
Hetzer hat Bilder als Bedeutungstrukturen beschrieben und die Geschichte der Kunst als Erfahrungsgeschichte. Sich darauf zu besinnen - verbunden mit zusätzlichen methodischen und historischen Einsichten - könnte der Kunstgeschichte wieder stärker Gehör verschaffen.«

Gottfried Boehm

»Theodor Hetzer gehört zu den amore docti, zu denen, die Liebe zum Erkennen führt. Die Erkenntnisse, von denen man lebt, beginnen mit der Liebe. Auf Kunstwerke gewendet, versetzt sie uns in ein Lebensverhältnis zu ihnen und den Menschen, die sie hervorgebracht haben, als würdigten sie uns ihrer Freundschaft... Seine Bücher halten Maß, aber die Harmonie dieses Maßes enthält in menschengemäßer Ordnung stärkere Kraft in sich als barbarische Gewaltsamkeit. Ausdruck dessen ist die Sprache. Sie ist gehalten und trifft doch und erleuchtet und belebt. Seine letzten Bücher kann man getrost neben denen der großen Meister unserer Prosa lesen ...«
Friedrich Klingner